100 Meilen Berlin - Der 5. Mauerweglauf

Nach monatelanger Vorbereitung und etlichen Trainingswettkämpfen war es am 13.8.2016 endlich soweit. Der Mauerweglauf 2016 stand an.

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Das, was vor zwei Jahren beim Sommerfest des Lauftreffs aus einer Bierlaune entstand, sollte jetzt endlich losgehen.
Die Anmeldung erfolgte Anfang 2016 und war von da an jeden Tag im Kopf von Andreas Bucks und Andreas Fölting präsent. 162 km an einem Stück laufen!!! Wie sollte das bloß zu schaffen sein?
Nun hieß es, Trainingskilometer sammeln, lange Läufe machen, möglichst viele Marathons und Gruppenläufe in der Umgebung einsammeln, um sich auch an das langsame Lauftempo zu gewöhnen.
Aber auch wenn das Training noch so gut lief, auf die Erfahrung eines 100Meilen-Laufs konnte ja keiner zurückgreifen: Wie ernähre ich mich? Was passiert, wenn man mal 12 Std. gelaufen ist?
Soll man zwischendurch eine längere Pause machen oder lieber langsam weiter laufen? Wie wird das Wetter? All diese Faktoren kann man kaum oder gar nicht beeinflussen. Daher bleibt auch solch ein Wettkampf eine Wundertüte.

Für die beiden ging es dann zwei Tage vor dem Start los. Toni Jug aus Stadlohn, der für den VFL Ahaus läuft, schloss sich den beiden an. Sie kannten sich schon aus einigen Wettkämpfen.
Der Tag vor dem Start war der Tag der Startnummernausgabe und des Briefings. Hier traf man viele Ultraläufer, die man auch bereits bei den anderen Wettkämpfen schon einmal gesehen hatte. Es wurde viel gefachsimpelt und Erfahrungen ausgetauscht.
Nachdem dann am Alexanderplatz am Abend noch das ein oder andere Bierchen getrunken wurde, ging es dann gegen 21:30 Uhr ins Hotel, um noch etwas schlafen zu können, bevor dann um 3:00 Uhr am Samstagmorgen der Wecker klingelte.
Die bereits zurecht gelegten Sachen wurden nun eingesammelt und die Sportsachen für die nächsten 24 Std. angezogen. Das Early-Bird-Frühstück im Hotel stand ab 4:00 Uhr bereit. In ruhiger Atmosphäre wurde das Frühstück eingenommen, bevor es mit der U-Bahn vom Alexanderplatz zum Jahn-Sportpark ging.
Die Drei wurden von Bernd Fecke begleitet, der ihnen immer zur Seite stand und der mit tollen Fotos das Wochenende festgehalten hat.

Um 5:20 Uhr herrschte am Sportpark schon reges Treiben. Die Atmosphäre war schon leicht angespannt. Jetzt hieß es, das abzurufen, wofür man solange trainiert hat.
Läufer aus über 30 Nationen waren am Start, und so stand man neben Japanern, Australiern und Kanadiern und schoss noch einige Fotos, bevor es dann auf die Laufbahn des Stadions zum Start ging. Das Wetter sollte an dem Tag mit 25° Grad schon etwas zu warm werden. Aber die Verpflegungspunkte waren 5 bis 8 km voneinander entfernt, sodass man sich über die Getränkevorräte keine Sorgen machen musste.
Um 6:00 Uhr und etliche Fotos später fiel dann der Startschuss für die Einzelläufer. Die Staffeln starteten um 7:00 Uhr.
Nachdem man am Anfang der Strecke durch das Regierungsviertel lief, erfolgte am Brandenburger Tor ein Highlight der Strecke.

Alle Läufer mussten einen Stein einer symbolisch aufgebauten Mauer abtragen und durch das Brandenburger Tor tragen. Dabei wurden von professionellen Fotografen Fotos gemacht, die den Läufern als Erinnerung zur Verfügung gestellt wurden.
Weiter ging´s dann Richtung Checkpoint Charly durchs ASISI-Panorama, weiter entlang an der East-Side-Gallery Richtung südl. Stadtgrenze. Hier war noch eine große Läufergruppe zusammen. Diese wurde aber mit jeder Verpflegungsstelle kleiner. Jeder Läufer lief auch nun sein eigenes Tempo. So war jeder, der keine Fahrradbegleitung hatte, auf sich alleine gestellt.
Die Markierung und die Versorgung auf der Strecke waren vorbildlich, sodass ein Verlaufen oder eine Unterversorgung fast unmöglich waren. So konnten auch die Läufer ohne Begleitung gut durchkommen. Bernd Fecke ließ es sich trotzdem nicht nehmen, die beiden Raesfelder bis in den Nachmittag zu begleiten und Fotos auf der Strecke zu machen.

Nachdem nach 60 km der erste größere Versorgungspunkt erreicht war, konnte man einen zuvor gepackten Kleiderbeutel dort abholen und sich kurz ausruhen und umziehen. Fölting hielt sich dort nur kurz auf und lief nach 15 Min. schon weiter. Als er gerade die Turnhalle verlassen wollte, kam ihm Andreas Bucks entgegen. Es wurde sich noch kurz unterhalten und Fotos geschossen.
Bucks ruhte sich dort noch etwas länger aus, bevor es auch für ihn weiter ging.
Nach 90 km kam dann die zweite größere Verpflegungsstelle, wo dann auch schon Stirnlampe und Warnweste für die Nacht mitgenommen wurden.
Es ging weiter über Wander- und Radwege, und man musste schon Glück haben, auch mal einen Einzelläufer zu treffen. Ab und zu wurde man von den schnelleren Staffelläufern überholt, die einen anfeuerten und motivierten.
Nach 128 km kam an einem Ruderclub der letzte große Versorgungspunkt, an dem man wieder auf einen zuvor gepackten Kleidersack zurückgreifen konnte. Wer bis hierhin gekommen war, konnte sich dann damit motivieren, dass man von nun an keinen ganzen Marathon mehr laufen musste.
Auf schmalen Waldwegen und Kopfsteinpflasterpassagen ging es nun wieder langsam Richtung Stadtmitte.
Als man dann den Funkturm schon wieder sehen konnte, wurde die Motivation wieder gesteigert. Aus ein paar Wanderkilometern, wurden wieder Laufkilometer.
Andreas Fölting lief dann 3 km vor dem Ziel auf Toni Jug auf, der zwischenzeitlich eine Stunde Vorsprung hatte, sich aber wegen Knieproblemen behandeln lassen musste.
Gemeinsam liefen sie dann Richtung Jahnsportpark und wurden im Ziel schon von Bernd Fecke erwartet, der gespannt den Live-Ticker im Internet verfolgte und passend zum Zieleinlauf im Stadion stand. Nach 20:17 Std. konnte dann endlich das Finisherfoto geschossen werden!!
Andreas Bucks kam nach 23:37 Std. glücklich ins Ziel und lies sich nach einem kurzen Nickerchen noch massieren, bevor es auch für ihn wieder ins Hotel ging, um etwas Schlaf nachzuholen.

Die Siegerehrung erfolgte dann im Ramada-Hotel vor dem versammelten Starterfeld. Jeder Läufer erhielt auf der Bühne seine Urkunde persönlich von einer der prominenten Persönlichkeiten, die sich extra die Zeit dafür genommen hatten.
Abends wurde dann noch im kleinen Kreis ein Steak-Haus aufgesucht, um die verbrannten 14.000 Kcal wieder aufzufüllen. Todmüde fielen dann alle um 22:00 Uhr ins Bett, bevor es dann am Montagmorgen wieder Richtung Heimat ging.

Dieser Lauf war ein echtes Erlebnis und ist wohl so schnell nicht zu überbieten. Die Strecke über die alte Grenze, die West-Berlin umschloss, die Atmosphäre und die Verpflegungsstationen, all das machte das Wochenende zu einem echten Highlight.

Weitere Videos zu diesem Lauf:

sportfanatberlin und Die Pinnwandanwärter

Andreas Fölting
TSV Raesfeld
stellv. Abteilungsleiter Lauftreff / Leichtathletik